Was bedeutet Industrie 4.0 für die Prozessindustrie? – Teil 2

Was bedeutet Industrie 4.0 für die Prozessindustrie? – Teil 2

Juli 1, 2019

Im ersten Teil der Serie habe ich mich damit beschäftigt, was Industrie 4.0 bedeutet und welche Vorteile die Industrie 4.0 mit sich bringt. Nun sind wir in einer sehr speziellen Branche, der Prozessindustrie, tätig.

Die Prozessindustrie verarbeitet Stoffe und Materialien in chemischen, physikalischen, biologischen oder anderen technischen Prozessen und Verfahren. Stoffe und Materialien werden dabei beispielsweise umgesetzt, geformt, vermischt oder entmischt, gegossen, gepresst, u. a. m. Einige typische Prozesse sind chemische Reaktionen und die Aufarbeitung der Reaktionsprodukte etwa durch Destillation oder Kristallisation, die Erdöl-Aufbereitung etwa durch Rektifikation, das Schmelzen von Glas, aber auch das Backen von Brot (zumindest in industriellem Maßstab). (Quelle: Wikipedia)

Sicherheit ist neben allen anderen Überlegungen einer der wichtigsten Aspekte der Prozessindustrie. Wer hat nicht die Bilder von Unglücken bei Öl-Plattformen im Kopf? Die Folgen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen in der Öl- und Gasindustrie sind meistens verheerend und gefährden Umwelt und Mensch gleichermaßen. Nicht selten landen Fehler in der Prozessindustrie direkt auf der Titelseite der regionalen und internationalen Zeitungen.

Wo Menschen arbeiten, können Fehler entstehen.

Worker Process Industry

Wenn es möglich ist, Entscheidungen und Prognosen über Algorithmen treffen zu können, sind Maschinen klar im Vorteil. Sie analysieren schneller als der Mensch und können schneller Entscheidungen treffen, können eventuell sogar Risiken erkennen, bevor ein Unglück geschieht. In brenzligen Situationen sind sie weder traumatisiert, noch in Schockstarre.

Smarte Prozessautomatisierungslösungen können der Prozessindustrie helfen, die Fabriken sicherer zu machen, damit es zu keinen schwerwiegenden Vorfällen kommt. Modulare Automation ist eines der Schlagwörter in diesem Zusammenhang. Durch Modularisierung können Investitionskosten gesenkt werden, schneller neue Produkte auf den Markt gebracht werden und die Produktion kann flexibler gestaltet werden. Bei Großanlagen ist zu beobachten, dass immer mehr Package Units in Form von Modulen zugekauft werden. Aber auch bei Pilotprojekten und Kleinproduktionen verlässt man sich immer mehr auf Module.

Predictive Maintenance in der Prozessindustrie

Ein anderer bereits seit einigen Jahren andauernder Trend ist die „predictive maintenance“, auf Deutsch die vorbeugende Instandhaltung und Wartung. Für große und kritische Anlagen, vor allem im Chemiebereich, gehören vorbeugende Wartungen seit den 80er Jahren zum Standard. Ich freue mich, hier von dem Fachwissen der erfahrenen Kollegen im Unternehmen profitieren zu können. Auch auf dem Yokogawa Industry Blog Chemical & Pharma finde ich viele hilfreiche Artikel, wie z.B. Die unerträgliche Leichtigkeit der Wartung.

Ausblick: Industrie 4.0 sicher und nachhaltig umsetzen

Die Prozessindustrie unterliegt wie keine andere Industrie einem der höchsten Sicherheitsstandards. Fehler können zu drastischen Konsequenzen führen und nicht selten Menschenleben kosten. Darum ist bei aller Digitalisierung stets die Sicherheit zu beachten. Sie sollte neben allen wirtschaftlichen Erwägungen Dreh- und Angelpunkt aller Überlegungen im Hinblick auf Automatisierung und Industrie 4.0 sein. Inwieweit kann Industrie 4.0 Vorreiter für Nachhaltigkeit sein? Wenn wir Prozesse verschlanken, effizienter machen und modularisieren- schaffen wir es nicht auch, eine Kreislaufwirtschaft zu schaffen?


 

 

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